Grüne Daumen und rosa Kassen
20.03.2001
Für Kirche und Politik hatten die "Rotstifte" bei ihrem Homberger Gastspiel farbenfrohen Spott parat. (Foto: Thiery) KABARETT Grüne Daumen und rosa KassenMit viel Farbe strichen die Würzburger "Rotstifte" bei einem Gastspiel in Homberg in den Konzepten von Kirche, Politik und Alltag herum.HOMBERG Elf Rotstifte kritzelten am Samstagabend in der Homberger Stadthalle alles an, was ihnen gefiel und sie glücklich machte. Ob Rentenreform, Kirche oder der private Börsenspekulant - bei all dem strichen die Würzburger Kabarettisten pfiffig und wortgewandt im Konzept herum. Am Ende war dann alles rot, und die Zuschauer waren begeistert. In ihrem Programm "Frisch gestrichen" wechselte die Truppe oft Töne und Nuancen, wie bei einer satirischen Farbberatung für Spitzenpolitiker im Baumarkt. Angela Merkel, die sehr zur Freude des Publikums als vergrößerter Bildausschnitt auf die Bühne kam, wollte wissen, wie man denn schwarze Kassen anstreichen könne. Damit zog sich die CDU-Frontfrau gleich eine komplette Farb- und Stilberatung zu, einschließlich rosafarbener Behälter für die vielen Scheine. Merkels Unionskollege Edmund Stoiber wurde kurzerhand für nicht beratungsfähig erklärt, denn der Ober-Bayer lasse außer Blau-weiß ohnehin keine anderen Farben zu, so der Rotstifte-Spott. Das war schon anders bei Joschka Fischer, dem die Baumarkt-Verkäuferin mal eben eine grünen Daumen verpasste. Damit er sich bei Nato-Tagungen sichtbarer melden kann, hieß es. Kirche gegen Kohle Auch die Kirche bekam einiges an Farbe ab. Die Rotstifte wiesen ihr den Weg aus der Krise, indem sie die Kirche zum Dienstleistungsunternehmen aufmotzten. Ihre Preisempfehlung: Sieben Mark fünfzig soll ein Gottesdienst ohne Extras kosten. Wer deutlich tiefer in die Tasche greift, bekommt das kleine Sakramentpaket inklusive Scheidung in Gottes Namen. Wenn es nach den Würzburger Spöttern geht, sollten beide großen christlichen Kirchen fusionieren, das katholische Fegefeuer durch den Musikantenstadtl ersetzen und den Vatikan gemäß dem Vorschlag der Frauenarbeitsgruppe in Muttikan umbenennen. Dem Fusions-Appetit der Großkonzerne setzten die Rotstifte den Schlankheitswahn der Deutschen entgegen. Im Kalorienrestaurant gab es schon für wenige Joule ausgepressten Spargel. Der Applaus des Publikums kam dann wieder satt daher: Drei Zugaben, waren der Lohn für die Truppe. (zty) |
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