Mit spitzer Zunge

 

12.02.2001

 

Musik-Kabarett "Die Rotstifte'' im Theater-Ensemble

Mit spitzer Zunge

WÜRZBURG Bereits im vergangenen Jahr begeisterte die Rotstifte mit fünf Auftritten das Publikum im Würzburger „Theater Ensemble". Jetzt hat die dreizehnköpfige Kabarettgruppe aus Würzburg noch einmal zwei Auftritte ihres Programms "Frisch gestrichen" angehängt und wieder für volle Ränge in dem kleinen Theater gesorgt.

Der Name der Gruppe ist gleichzeitig auch ein roter Faden für das Programm, denn die Sketche und Lieder beschäftigen sich mit Sparmaßnahmen aller Art und nehmen die grassierende Streichwut unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaft als Ausgangspunkt für zynische und witzige Kommentare.

Da wird zum Beispiel die Kirche zum modernen Dienstleistungsbetrieb, der sich auf seine Kernkompetenz "spirituelle Schlüsseltechnologie" konzentrieren muss. Einem Streichorchester werden die Mitglieder zusammengestrichen und Familienplanung wird auf Grund der Gentechnik von den Richtlinien der Krankenkasse bestimmt.

Der Blick, den die Truppe auf das Zeitgeschehen wirft, ist häufig beklemmend nahe an der Realität und die Umsetzung auf der Bühne ist, von den politischen Sketchen abgesehen, spitzzüngig und sehr einfallsreich. Aus diesem kreativen und sehr findigen Umgang mit der Sprache schöpft die Satire der Rotstifte ihre stärksten Momente, so dass man einigen Akteuren auch problemlos verzeihen konnte, dass sie bei ihren Witzeleien manchmal sichtlich zu kämpfen hatten, nicht selbst in lautes Lachen auszubrechen.

Neben den Sketchen trugen auch die zahlreichen Lieder zum unterhaltsamen Gesamtbild bei. Neben dem "Mambo Nr. 5" mit neuem Gentechnik-Text, stach vor allem eine neue Version der Titanic-Schnulze "My Heart Will Go On" hervor.

Das honigsüße Lied wurde mit einer gnadenlosen Aufzählung der vielen kleinen Alltagssorgen und Stressfaktoren angereichert, die sich auch in der Geschwindigkeit der Darbietung gefährlich in den Bereich der Infarktgefahr vortasteten und dem Publikum einen gerechtfertigten Anlass zu begeistertem Applaus gaben.

Roland Küffner