Die "Rotstifte" streichen alles
02.10.2000
Mit hintergründigen Beiträgen - hier beim "Fusione Subito" der Kirchen, und mit phantasievollen Verkleidungen ausgestattet, überzeugten die "Rotstifte" beim 25-jährigen Bestehen des Evangelischen Bildungswerkes. (Bild) Die "Rotstifte" streichen allesUnterfränkisches Kabarett beim Jubiläum des Evangelischen Bildungswerks in KüpsKÜPS. Ein wahres Feuerwerk guter Unterhaltung brannten die "Rotstifte" bei ihrem Auftritt in der Küpser Festhalle ab. Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Evangelischen Bildungswerks der Dekanate Kronach, Ludwigsstadt und Michelau gastierte das Laien-Kabarett und servierte den fast 100 Gästen ein vergnügliches Programm. Unter dem Motto "Frisch gestrichen" hat das zwölfköpfige Team aus Unterfranken einfallsreiche Witze und Gags präsentiert und auch gekonnt musikalisch unterhalten. Als Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerkes Kronach hieß Anne Salzbrenner die Gäste eingangs, willkommen. Nach der Melodie von "Rote Lippen soll man küssen" startete das Programm schwungvoll mit dem Lied jeder Rotstift, der muss streichen". Vom Butterbrot bis zur Rente und vom Arbeitsplatz bis zur Wand reichte die Palette der Dinge, die bei Streichungen irgend" welcher Art betroffen sein können. Ihren Bezug zur Kirche unterstrichen die Darsteller, unter denen mit Wolfgang Stenglin der Leiter des Würzburger Bildungswerkes aktiv ist, beim Sketch "König Kunde". Wie sich die aktuellen Tendenzen zur Dienstleistungsgesellschaft im schlimmsten Fall auf die Kirche auswirken könnten, wurde deutlich gemacht: Unrentable Leistungen werden privatisiert, der, "Sunday morning Tarif" wird am Kirchenportal kassiert und, enthält das "Abendmahl mit Frankenwein und Orgellied", die letzte Ölung wird von "Aral" vergeben und die Kinder werden vom Softwareanbieter "AOL", statt im Kindergarten betreut, weil man dort auch schon ab drei Jahren mühelos reinkomme. Nicht zufrieden Die betroffenen Großeltern, die eigentlich nur ihren Enkel zur Taufe anmelden wollten, waren mit den Auskünften des Pfarrers, der eindrucksvoll vom sehbehinderten Peter Staubach dargestellt wurde, nicht zufrieden, obwohl die "Gemeinde im ADAC-Bischofsführer drei Mützen" hat. Kurzweilig und durchwegs gelungen waren auch die weiteren Stücke: der "Global Player", der im Aktienfieber steckt und alles flexibel betrachtet, nur sich selbst nicht ändern will, "Kein Gorgonzola", ‑das hintergründig auf die Diäten übliche "Streichungen" hinwies und das Lied "Bimbes", mit dem die Parteispendenaffären beleuchtet wurde. Gekonnt nachgeahmt wurde der Welthit "My heart will go on" mit einem Solo durch die ebenfalls sehbehinderte Sonja Baus als EKG EndgültigerKatastrophen-Gesang". Bei der Farbberatung wurden wichtige Spitzenpolitiker der verschiedenen Parteien gemimt. Angela ' Merkel wurde beraten, wie man von Schwarzgeld zu einer weißen Weste kommen könne, bei Edmund Stoiber sei alles "Weiß-blau" und auch die Genossinnen und Genossinnen von Gerhard Schröder hätten "dringend einen neuen Anstrich" nötig. Als wahres "Streichorchester" hatten sich die Wirtschaftlichkeitsprüfer eines Orchesters entwickelt, die alle Musiker abgeschafft hatten. "Die Violinen waren überflüssig, weil sämtliche zwölf die gleichen Noten spielten'. Übrig blieben schließlich nur noch ein Streicher und ein Dirigent, weil mit Technikeinsatz die gleiche Musik abgespielt werden konnte. Mit der "375. Sitzung der Vereinigungskommission" nahmen die "Rotstifte" das Verhältnis der christlichen Kirchen zueinander Ins Visier. Einigkeit bestand zwischen den Vertretern, ein neues Konzept der Erlebnisbeichte um "Mitternacht mit Räucherstäbchen und Cannabis" einzuführen, die neuen Techniken zu nutzen, die "Vergebung erfolge deshalb per Fax oder E-Mail" und die Buße werde mit den Online-Gebühren eingezogen. Um der veränderten Rolle der Frau gerecht zu werden, solle der "Vatikan" in "Muttikan" umbenannt werden. Weil die Vereinigungsgespräche letztlich doch gescheitert waren, blieb dem "Allerhöchsten" als letzte Konsequenz nur noch die "Streichung der beiden Kirchen". Abgesang Kurzweilig war auch der zweite Teil des zweieinhalbstündigen Auftrittes der "Rotstifte". Mit dem Lied "Abgesang" wurde der DMark nachgetrauert, die "Familienplanung" mit Mitteln der Genmanipulation als drastische Zukunftsvision vorgestellt und das "Gen-Cocktail-Nummer Nr. 5" wurde mit dem Ohrwurm "Mambo Nr. 5" dargebracht. Nur mit Badetuch bekleidet kamen die Schauspieler schließlich zur Männersauna und machten sich lustig über Frauen, die sogar Fußball spielten, , besser mit Bussen und Bahnen statt mit dem Pkw fahren sollten und überall Vorteile genießen würden zum Beispiel eigene Frauenparkplätze. Genau zum Thema passte dann auch der mehrstimmig vorgetragene Song "Männer". "Ich dachte, es waren die Menschen, die die DDR abgeschafft haben" und nicht einer aus dem "neuartigen Berufsbild des Landstreichers", war eine neue Erfahrung bei der Berufsberatung, die eine Dame mit ihrem überaus trägen Zögling mache. Letzter Höhepunkt war schließlich ein "Live-Mit-Schnitt" bei der Operation, die angesichts der Sparzwänge im Gesundheitswesen live übertragen und von Werbebeiträgen unterbrochen wurde. Mit einer weiteren Zugabe dankten die "Rotstifte" ihrem Publikum in Küps für den begeisterten Applaus. ber |
LoginWer ist online?Aktuell sind ein Gast und keine Mitglieder online |